Magazin

Das
Universum
der Pilze.

Jeder Pilz, jeder noch so
kleine Fruchtkörper erfüllt eine
wichtige Funktion in der Natur.

Mag. Dr. Irmgard Greilhuber,
Präsidentin der Österreichischen
Mykologischen Gesellschaft

Wissenschaftler sind überzeugt davon, dass unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren noch stärker „auf den Pilz kommen“ wird.

Über Entstehungsgeschichten, Nährwerte, das Pilzesammeln und die Pilzzucht bei HERMANN.


Pilze sind weitaus mehr als eine Delikatesse auf unseren Tellern, sie stellen auch ein interessantes und umfangreiches Fachgebiet für Forscher und Laien dar: Laufend gibt es wissenschaftliche Untersuchungen und Neuentdeckungen zu bekannten und unbekannten Pilzarten, Zubereitungstrends im Zuge der expandierenden veganen und vegetarischen Ernährung, Zuchtprojekte für den Eigenbedarf in feuchten Kellern oder auch wirtschaftliche Großzucht-Projekte wie bei HERMANN in Ulrichsberg.

Pilze sind nicht nur ein geliebtes Hobby der Schwammerlsucher im Spätsommer und Herbst, sondern eine ganz eigene, vielseitige Parallelwelt mit enormem Zukunftspotenzial. Wissenschaftler sind überzeugt davon, dass unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren noch stärker „auf den Pilz kommen“ wird.

17.000 Pilzarten und ihr wissenschaftliches Potenzial

Ihr Leben lang mit Pilzen befasst hat sich Irmgard Greilhuber, die Präsidentin der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft. Durch ihre Eltern erblich vorbelastet kam sie bereits in jungen Jahren sehr intensiv mit Pilzen in Kontakt – beim „Schwammerlsuchen“ im Wald. Geschmeckt haben sie ihr auch schon immer. Kein Wunder also, dass sich Irmgard Greilhuber dem Studium der Biologie an der Universität Wien zugewandt hat. Nach ihrer Dissertation ist Greilhuber bei den Pilzen geblieben, ihre jahrelange Erfahrung gibt sie an der Universität Wien in unterschiedlichen Lehreinheiten weiter. Eines ist ihr seit jeher klar: Langweilig wird es mit Pilzen nie – das Feld ist noch immer wenig untersucht, das Potenzial groß.

Mehr als 4.500 unterschiedliche Pilzarten hat die Expertin bisher in Österreich gesammelt, bestimmt und wissenschaftlich dokumentiert – etwa 50 Prozent davon befinden sich auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Begonnen hat sie dabei bei Großpilzen, das sind Pilze ab einer Größe von zwei Millimetern. Ab dieser Größe sind Pilze mit freiem Auge erkennbar, kein Mikroskop ist notwendig. Zählt man auch die Mikropilze dazu, verdoppelt sich die Anzahl der dokumentierten Arten. Inkludiert man die Schätzungen aus intensiver erforschten anderen Ländern, die ähnliche Höhenlagen und Pflanzengesellschaften haben wie Österreich, kommt man schlussendlich auf die für die Wissenschaft relevante Zahl: Ca. 17.000 (!) verschiedene Pilzarten existieren in Österreich.

Der Erforschungsgrad bei Pilzen ist hierzulande im Vergleich zu anderen Ländern gering – ständig werden neue Pilzarten entdeckt. Dazu trägt auch die Molekularbiologie bei, die sich unter anderem mit der DNA der Pilze auseinandersetzt.

Unbekannte heimische Speisevielfalt

Irmgard Greilhuber hat auch das Pilzwissen der Bevölkerung in verschiedenen Bezirken Österreichs untersucht. Das Ergebnis? Eierschwammerl, Herrenpilz und Parasol sind die Pilze, die eine breite Bekanntheit unter den befragten Personen hatten. „Dann kommt lange nichts.“ Lediglich 20 verschiedene Pilzarten insgesamt werden in größerem Umfang gegessen.

Dabei gäbe es so viel mehr heimische Vielfalt, die auf den Teller darf, weiß Irmgard Greilhuber und schmunzelt: „Selbst wenn drei Personen vor mir Pilze sammeln waren – ich finde immer noch etwas Essbares.“ Wo welcher Pilz zu finden ist, ist für Hobbysammler seit gut einem Jahr auf Pilzfinder.at zu sehen. Über die Jahre soll hier eine Pilzlandkarte für ganz Österreich entstehen und jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Durch das Hochladen der eigenen Pilzfunde hilft man nicht nur bei der Pilzkartierung mit, sondern bekommt auch innerhalb von ein bis zwei Tagen eine Antwort auf Fragen zum eigenen Fund. Für Pilzanfänger ist diese Plattform optimal. Für Profis empfiehlt Greilhuber das Forum Funga Austria. Hier tummeln sich Personen, die ein umfangreicheres Wissen über Pilze haben.

Wer sein Wissen zum Thema Pilze vertiefen möchte, kann sich auch einer Pilzexkursion anschließen. Hier lernen die teilnehmenden Personen, wie verantwortungsvolles Verhalten im Wald aussieht und was sie beim Entdecken und Sammeln der Fruchtkörper beachten müssen. Das ist äußerst wichtig, denn: Naturschützer beobachten vermehrt, dass giftige Pilze umgestoßen und zertreten werden. Der Gedanke dahinter – mit diesem Verhalten andere Pilzsammler vor einem Fehlgriff zu schützen – ist zwar nett, aber ökologisch fragwürdig. Jeder Pilz, jeder noch so kleine Fruchtkörper erfüllt eine wichtige Funktion in der Natur. Zertretene Pilze können sich selbst nicht mehr fortpflanzen – ein großer Verlust für Tiere, denen diese Pilze als Nahrungsquelle dienen.