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Sammel-
und Verzehr-
Tipps vom
Pilz-Profi

Sammel-
und Verzehr-
Tipps vom
Pilz-Profi

Vorsticht beim Sammeln!

Nur ein Teil der 4000
heimischen Pilze ist auf
Pilz-Apps erfasst.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Irmgard Greilhuber, die selbst am liebsten Morcheln und Schopftintlinge isst, gibt einige Tipps, die für das Pilzesammeln unerlässlich sind:


  • Pilzesammeln braucht Eigenverantwortung.
    Sie befinden sich in der Natur, in dem Zuhause vieler Lebewesen. Verhalten Sie sich entsprechend ruhig und hinterlassen Sie auf keinen Fall Müll.
  • Pflücken Sie nur Pilze, die sie tatsächlich kennen!
    Pilze können giftig sein. Greifen Sie bei Pilzen, die Sie zu 100 % bestimmen können, nur zu jenen, die einen gesunden Eindruck erwecken. Angeknabberte, alte oder durchnässte Pilze lassen Sie am besten stehen.
  • Bestimmen Sie Ihren unbekannten Fund richtig.
    Auch wenn Sie noch so stolz auf Ihren Fund sind: Wenn Sie nicht wissen, um welchen Pilz es sich handelt, lassen Sie ihn am besten einfach stehen. Wollen Sie ihn dennoch bestimmen, drehen Sie den Pilz mit Stumpf und Stiel aus dem Boden. Fragen Sie bei der Pilzbestimmung um Rat, die Österreichische Mykologische Gesellschaft bringt Sie mit einem Pilzprofi in Ihrer Nähe in Verbindung.
  • Sammeln Sie nur so viele Pilze, wie Sie tatsächlich essen können.
    Hat man eine gute Stelle gefunden, ist das Auge oftmals größer als der Magen. Wichtig: Pro Kopf und Nase dürfen in Österreich 2 kg Pilze gepflückt werden.
  • Frische erhalten!
    Sind die Pilze gesammelt, geht der Weg am besten schnurstracks nach Hause. Irmgard Greilhubers persönliches Anliegen: „Gehen Sie mit Pilzen am besten so um wie mit Faschiertem. Grundsätzlich sollten Pilze, sobald sie gepflückt wurden, durchgehend gekühlt werden. Pilze, die Stunden im heißen Kofferraum verbracht haben, sind nicht mehr für den Verzehr geeignet!“
  • Pilze sind nicht für den Rohgenuss geeignet.
    Nur sehr wenige Arten sind für uns Menschen roh verträglich. Einige Speisepilze, wie z. B. der Parasol, sind im rohen Zustand sogar giftig. Erst durch ausreichendes Kochen werden sie genießbar. Ist ein panierter Parasol etwa durch zu kurzes Anbraten noch leicht roh, kann er Verdauungsprobleme hervorrufen.
  • Die Menge macht’s!
    Wenn Sie keinen schweren Magen haben möchten, essen Sie nicht zu viele Pilze auf einmal. Große Mengen können lange in Magen und Darm liegen, weil sie mitunter schwer verdaulich sind.

Vorsicht bei Pilz-Apps

Vertrauen ist gut, Kontrolle – vor allem durch einen wirklichen Pilzexperten – ist besser. Das gilt auch im Umgang mit Pilz-Apps. Ein eher neues Phänomen ist, dass Personen, die ihr Pilz-Wissen erweitern möchten, den Apps großen Glauben schenken. Es gibt derzeit aber kaum eine App, auf die zu 100 Prozent Verlass ist. Meist greift die App auf eine Datenbank von rund 300 verschiedenen Pilzen zurück – eine sehr geringe Zahl, wenn man bedenkt, dass es in Österreich über 4.000 essbare Pilze gibt. Speist man seinen Fund nun in die App ein und der Pilz ist nicht in der Datenbank angelegt, so greifen die Apps meist auf ähnliche Pilze zurück, anstatt die einzig richtige Meldung zu geben: „Dieser Pilz ist mir nicht bekannt!“

Für eine korrekte Pilzbestimmung braucht es tatsächlich weit mehr als nur ein einfaches Foto. Da jedoch viele Personen auf Pilz-Apps vertrauen, kommt es vermehrt zu Anrufen in der Vergiftungszentrale – eine Tatsache, die in ganz Österreich zu beobachten ist. Schlussendlich landen viele dieser Anrufe bei Irmgard Greilhuber. Als Pilzexpertin ist sie hier besonders gefragt, denn es gibt Personen, die aufgrund ihrer Verunsicherung und der daraus entstandenen Panik dieselbe Symptomatik aufweisen wie Personen, die mit einer tatsächlichen Vergiftung zu kämpfen haben.

Was tun bei „falschem“ Pilzverzehr?

Bei Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Kreislaufproblemen oder Ähnlichem hilft ein Anruf bei der örtlichen Vergiftungszentrale. Der nächste Schritt ist – wenn telefonisch empfohlen – der Gang zum Arzt. Eine Pilzvergiftung ist auf keinen Fall zu unterschätzen. Im Zweifelsfall gilt daher: Besser ein Notruf zu viel als einer zu wenig!

Viele Anfragen, die in der Vergiftungszentrale eingehen, kommen von besorgten Eltern, weil ihre Kinder am Spielplatz, im Garten oder beim Waldspaziergang rohe Pilze in den Mund gesteckt haben. Wer mit Kleinkindern im Wald unterwegs ist oder Pilze sammeln geht, sollte genau darauf achten, ob die Kleinen etwas in den Mund stecken – und was genau. Denn eine Pilzvergiftung wirkt sich bei Kindern aufgrund ihres Körperbaus noch stärker aus als bei Erwachsenen.