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Das
Sättigungs-
gefühl

Das
Sättigungs-
gefühl

Durch das Messen des
Nährstoffgehalts weiß der
Darm: „Jetzt ist es genug.“

HUNGER ODER
NICHT HUNGER?

Warum Hunger nicht gleich Hunger ist.

Wann und wie tritt Sättigung ein?
Die ersten Signale der Sättigung werden direkt vom Magen an das Gehirn gesendet, wenn eine bestimmte Menge Nahrung zur Dehnung des Magens führt. Für das tatsächliche Sättigungsgefühl sind jedoch der Darm und die Leber verantwortlich.


Durch das Messen des Nährstoffgehalts weiß der Darm: „Jetzt ist es genug.“ Ist eine Mahlzeit zu wenig ausgewogen, weil sie z. B. zu großen Teilen aus Weißbrot besteht, lösen die Rezeptoren im Darm nach der Sättigung schnell ein neues Hungergefühl aus. Prinzipiell sind Hunger und Sättigung schwer zu identifizieren, so König. Das typische Hungergefühl, wie es in Notzeiten bekannt war, erfahren die Menschen heute extrem selten, denn der biologische Hunger ist in unserer westlichen Gesellschaft praktisch nicht mehr vorhanden. Wir müssen heute erst wieder lernen, was es bedeutet, satt zu sein. Dabei ist der menschliche Körper ausgesprochen tricky, er überlistet uns gerne mit „Appetit“, „Gusto“ oder „Heißhunger“. Das hat aber nichts mit Hunger zu tun. Denn wüsste jeder Körper, wann er genug gegessen hat, dann hätten alle Menschen eine gesunde Durchschnittsfigur. Dass dem nicht so ist, muss hier nicht extra erwähnt werden.

Versuch und Irrtum

Hunger ist also nicht gleich Hunger, und Appetit ist ein psychisches Phänomen, das es individuell zu entdecken gilt. Oft werden zum Beispiel emotionale Zustände mit dem Hungergefühl verwechselt. Manche Menschen glauben, dass sie Hunger haben, eigentlich haben sie aber Durst – oder umgekehrt. Wird man grantig, aggressiv oder hat schlechte Laune, wird diese Laune oft fälschlicherweise mit Hunger in Verbindung gebracht. Dabei ist schlechte Laune noch kein Anzeichen von Hunger, sondern lediglich ein Hinweis des Körpers, dass der Blutglukosespiegel abfällt. Auch das plötzliche Verlangen nach Süßem ist oft nur ein Trick, denn der Körper funktioniert nach dem Belohnungssystem. Ist der Heißhunger jedoch körperlich bedingt, ist das ein Signal für akute Unterzuckerung, sprich: Der Blutglukosespiegel fällt steil ab. Diese Form von Hunger tritt zumeist dann auf, wenn vorab z. B. Produkte mit Weißmehl gegessen wurden. Denn diese Art der schnell verfügbaren Kohlenhydrate wird rasch vom Körper aufgenommen, hält jedoch nicht lange an.

Ob man wirklich Hunger hat oder ob es sich „nur“ um Appetit, Gusto bzw. Heißhunger handelt, kann durch den Verzehr eines gesunden Lebensmittels, z. B. eines Apfels, erkannt werden. Handelt es sich tatsächlich um Hunger, lässt das Hungergefühl durch den Verzehr des Apfels schnell nach. Aber auch diese Methode hört sich einfacher an, als sie tatsächlich ist. Jürgen König empfiehlt: „Spielen Sie „trial and error“, denn nur so kann der Hunger erkannt und das richtige Hungergefühl erlernt werden.

Der Magen knurrt – ein Anzeichen von Hunger?

Knurrt der Magen, so denken viele Menschen: „Oh, ich habe Hunger!“ Aber Achtung: Dem ist nicht immer so. Denn auch schwer verdauliche Lebensmittel können Rumpeln im Magen auslösen. Und auch nahende Blähungen können sich geräuschvoll im Magen und Darm bemerkbar machen – und haben nichts mit Hunger zu tun. Magenknurren kann also auch falsch interpretiert werden.

Ob Magenknurren als gut oder schlecht zu bewerten ist, lässt Jürgen König offen. Für Menschen mit Untergewicht und Normalgewicht ist Magenknurren oft ein sehr wichtiges Signal, weil der Körper auf weniger Fettreserven zurückgreifen kann und rasch in den Energiesparmodus schaltet. Da heißt es meist: Jetzt ist es Zeit für eine ausgewogene Mahlzeit. Menschen wiederum, die mit Übergewicht zu kämpfen haben, und das sind laut der letzten Österreichischen Gesundheitsbefragung aus dem Jahr 2019 immerhin 34,5 % der österreichischen Bevölkerung, weitere 16,6 % kämpfen gar mit Adipositas, also einem BMI (Body-Mass-Index) von höher als 30, interpretieren Magenknurren oftmals falsch. Wobei man die Menschen natürlich nicht über einen Kamm scheren kann, egal ob unter- oder übergewichtig.

Fakt ist aber: Menschen mit Übergewicht interpretieren das Nachlassen des Völlegefühls oft als Hunger. Dabei ist der Körper gut versorgt und eigentlich satt – nur sind Übergewichtige potenziell mehr an das Gefühl der Völle gewöhnt als Menschen mit Normalgewicht. Besonders während der Feiertage, an denen in vielen Familien öfter und auch fettiger gegessen wird als im restlichen Jahr, befindet sich der Körper weitaus öfter im Zustand des Völlegefühls. Obendrein wird an solchen Tagen meist in kürzeren Abständen gegessen, obwohl der Körper noch gar kein Anzeichen für Hunger gegeben hat. Selbst für Menschen mit Normalgewicht kann es eine Herausforderung sein, nach längerer Zeit der Völlerei wieder zu ihrer gewohnten Ernährung zurückzufinden. Das ist auch häufig der Grund, warum nach der ausschweifenden Weihnachtszeit viele Neujahrsvorsätze lauten, in Zukunft auf gesunde Ernährung, mehr Obst und Gemüse zu achten.